Als
Panel bzw. Panelforschung bezeichnet man innerhalb der Primärforschung
die wiederholte Befragung einer gleichen, meist repräsentativen Stichprobe. Im
Vergleich zur üblichen Befragung, die sich in der Regel nur einmal an eine
Person wendet, müssen bei einem Panel nicht ständig neue Stichproben gezogen
werden, da die gleichen Personen über einen längeren Zeitraum zu diversen
Themen interviewt werden.
Deswegen stellt die Panelforschung auch eine spezielle Form der
Längsschnittuntersuchung dar. Durch die Panel-Befragung können also Veränderungen
im Zeitablauf gemessen und sogenannte Indizes ermittelt werden. Für einen
Vergleich sind jedoch sinnvolle zeitliche Intervalle und identische oder
ähnlichen Befragungsthemen eine zwingende Vorraussetzung. Die Panelforschung
erlaubt somit eine dynamische Betrachtung des Marktes.
Vorteile
eines Panels:
-
Eine Panelstichprobe erlaubt Befragungen in jede
gewünschte Richtung. Innerhalb einer bekannten Panel-Stichprobe können
schnell Probanden nach bestimmten Kriterien für spezielle Befragungen
ausgewählt und untersucht werden.
-
Ein bestehendes Panel bietet einen wesentlichen
Zeitvorteil bei der Befragung zu aktuellen Themen, da die Ziehung und
Befragung einer Einmal-Stichprobe in der Regel zeitaufwendig ist.
-
Die Messung einer Verhaltensdynamik ist
möglich, da die selben Probanden im Zeitablauf befragt werden. Auf diese
Wiese werden insbesondere Verhaltens-, Präferenz- und Einstellungsänderung
erfaßt und es kann außerdem nach den Gründen für diese Veränderung
geforscht werden. So können oftmals frühzeitig Stimmungswechsel oder neue
Trends erfaßt werden.
-
Gegenüber der klassischen Einmal-Befragung sind komplexe
Fragestellungen möglich, da die Probanden über eine Befragungswelle
hinaus untersucht werden können. Dies erlaubt auch die singuläre Messung
von Kausalitäten, wenn beispielsweise der Einfluß bestimmter
Befragungsthemen (Variablen) einer Untersuchungswelle auf die nächste
Untersuchungswelle beobachtet wird.
Nachteile eines Panels:
-
Als Paneleffekt werden
Verhaltensveränderungen der Probanden aufgrund der Panelbefragung
bezeichnet. Es kann passieren, daß die Probanden ihre Einstellung zu
gewissen Themen erst durch die Panelbefragung bilden oder verändern,
wodurch sich unter anderem auch Entscheidungs- und Kaufprozesse verändern
können.
-
Als Panelsterblichkeit bezeichnet man den
Effekt, daß Teilnehmer aus verschiedenen persönlichen Gründen aus dem
Panel ausscheiden und somit die Repräsentativität des Panels gefährden,
verschieben oder gar zerstören. Diesem Effekt kann durch aktive
Panelpflege begegnet werden.
-
Als Panelerstarrung bezeichnet man
Merkmalsveränderungen auf Seiten der Probanden, die die Repräsentativität
des Panels gefährden, verschieben oder gar zerstören. Dies können bspw.
berufliche und soziale Veränderungen, Familienstandsveränderungen oder die
Geburt von Kindern sein. Diesem Effekt kann durch aktive Panelpflege
begegnet werden.
-
Der Panelselektionseffekt bezeichnet eine
systematische Verzerrung der Repräsentativität einer Panelstichprobe. Dies
entsteht insbesondere dann, wenn sich eine Panelstichprobe durch
Autoselektion bildet, d.h. wenn sich Probanden freiwillig zur Teilnahme
an einem Panel melden (sogenannte Access-Panels). Diesem Umstand kann
nur begegnet werden, wenn der Autoselektion eine Verifizierung
seitens des Panelbetreibers folgt, die gewährleistet, daß auch freiwillige
Teilnehmer abgelehnt werden, wenn sie nicht mehr den repräsentativen
Ansprüchen an die Stichprobe genügen.
Entscheidend ist nicht die Größe einer
Panelstichprobe, sondern die Qualität und die
Repräsentativität. Insbesondere bei den sogenannten Access-Panels,
wie sie in der kommerziellen (Online-)Marktforschung
angewendet werden, wird dies leider oft genug nicht berücksichtigt und ganz im
Gegenteil immer mit der enormen Stichprobengröße des Panels geworben. Dies
liegt daran, daß die aktive Pflege und vor allem die Verifikation von freiwilligen
Panelteilnehmer sehr zeit- und kostenaufwendig ist.